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Vertrauen und Misstrauen als Motoren von Innovationsprozessen in KMU-Netzwerken

Zusammenfassung

Misstrauen gehört in KMU-Netzwerken zum täglichen Geschäft:

  • Heterogene Kompetenzen, konkurrierende Perspektiven und widersprüchliche Handlungslogiken machen KMU-Netzwerke innovativ – sie bilden jedoch unweigerlich auch Quellen für Misstrauen.
  • Die Kommunikation von Misstrauen ist ein Tabu. So entstehen unentdeckte Misstrauensspiralen, die Kooperations- und Innovationsprozesse blockieren.

Misstrauen neu denken:

  • Vertrauen ist nicht das Gegenteil von Misstrauen: Vertrauen schließt Misstrauen nicht aus.
  • Misstrauen kann höchst produktiv sein: Kommuniziertes Misstrauen verhindert „lock-ins“, eröffnet neue Perspektiven und schützt vor Fehlinvestitionen.
  • KMU-Netzwerke brauchen einen professionellen Umgang mit der innovationsförderlichen Ressource Misstrauen.
  • Nur wer Misstrauen systematisch kommuniziert, kann es produktiv wenden.

Videobotschaft des Projekts

Vertrauen ist gut – Misstrauen auch, wenn es angemessen kommuniziert wird!

Projektmitglieder

Projekte in der Fokusgruppe

KMU: Durch Vernetzung innovativ?

„Innovation!“ lautet der an Wirtschaftsunternehmen gerichtete Imperativ des 21. Jahrhunderts. Während Großunternehmen dem Ruf nach Innovation aufgrund ihrer Ressourcenlage folgen können, unterliegen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einem chronischen Ressourcenmangel, so dass viele Innovationsvorhaben nicht angegangen werden können. Um die Innovationskraft der oft fachlich exzellenten und volkswirtschaftlich höchst bedeutsamen KMU zu stärken, werden zunehmend in ausgesuchten Branchenkompetenzfeldern Netzwerke subventioniert. Erst solche Initiativen bieten KMU die Möglichkeit, durch Partnerschaften mit Wissenschaft und Wirtschaft Innovationsprojekte durchzuführen. Dabei stehen die hochgradig spezialisierten KMU vor der Herausforderung, auf dem zunächst fremden Terrain „Netzwerk“ mit den andersartigen Kooperationslogiken sowie Organisationsstrukturen und -kulturen ihrer potentiellen Partner umzugehen. Zudem stehen sie unter hohem Erfolgsdruck, der aus mangelnden Ressourcen, hoher Marktdynamik und begrenzter zeitlicher Netzwerkförderung erwächst, wobei sich weder die Erfolgschancen noch die eingegangenen Risiken im Voraus kalkulieren lassen.

Misstrauen als ungenutzte Ressource 

Derartige Situationen verlangen einen Mechanismus zur Komplexitätsreduktion jenseits rein rechnerischer Kalküle. Bis heute gilt daher Vertrauen als Allheilmittel für effiziente Kooperation. Das fälschlicherweise landläufig als Gegenpol zu Vertrauen betrachtete und negativ konnotierte Misstrauen wird hingegen kaum thematisiert. Dabei ist Misstrauen nicht nur ein Störfaktor in Geschäftsbeziehungen, sondern auch - systematisch kommuniziert - ein höchst produktives Element in kooperativen Innovationsprozessen. Allerdings ist die Kommunikation von Misstrauen mit einem Tabu belegt, so dass es häufig in der Latenz verbleibt, dort blockierend auf Kommunikations- und Kooperationsprozesse wirkt und die Entfaltung der kreativen Potentiale menschlicher Diversität bei der interaktiven Wertschöpfung verhindert. Wie die Ergebnisse von TRUSTnet zeigen, sind solche Misstrauensblockaden für die Entwicklung von sowohl KMU-Netzwerken als auch kooperativen Innovationsprozessen fatal. Wird Misstrauen jedoch systematisch kommuniziert, hilft es, Perspektiven zu erweitern, kreative Problemlösungen zu stimulieren und kostspielige Fehlentwicklungen von Innovationsverläufen frühzeitig zu erkennen.

Gerade in KMU-Netzwerken, so die Ergebnisse von TRUSTnet, ist Misstrauen in sowohl personengerichteter als auch systembezogener Form vorhanden und erwächst typischerweise aus drei Widersprüchen, die in der Struktur von KMU-Netzwerken angelegt sind. Die paradoxen Handlungsanforderungen in KMU-Netzwerken fordern daher vom Netzwerkmanagement eine fortwährende sowie professionelle Kommunikation und Moderation von Misstrauen.

Innovation durch Misstrauen!

Da Misstrauen bislang weder als eigenständiger und parallel zu Vertrauen existenter Koordinationsmechanismus in Netzwerken behandelt, noch sein produktives Potential erkannt, geschweige denn seine strukturelle Immanenz aufgedeckt wurde, zeigten sich in den untersuchten Netzwerken auf vielen Ebenen typische Misstrauensspiralen. Nicht nur führten diese zum Abbruch von Kooperations- bzw. Innovationsverläufen zwischen einzelnen Teilnehmern, sondern bedrohten teilweise akut den Fortbestand der Netzwerke als Ganzes. Nur durch ein zielgerichtetes Management von Misstrauen also sowie ein systematisches Netzwerkmonitoring und -controlling gelingt es, Misstrauen in seiner destruktiven Kraft einzudämmen und durch effektive Problemkommunikation produktiv zu wenden.

Professionelles Netzwerkmanagement ist Misstrauensmanagement

An dieser Stelle setzten Workshops mit Netzwerkteilnehmerinnen und -teilnehmern, insbesondere dem Netzwerkmanagement an. Es erfolgte eine fortlaufende Reflektion der Projektergebnisse, in deren Zuge die Netzwerkmanagerinnen und -manager für die strukturellen Widersprüche von KMU-Netzwerken und die mit ihnen verknüpften Misstrauensquellen sensibilisiert wurden. Darüber hinaus entwickelte das Projektteam Strategien und Instrumente für ein misstrauensbezogenes Netzwerkmanagement, -controlling und -monitoring, die in einzelnen Netzwerken unter professioneller Hilfestellung von TRUSTnet zum Einsatz kommen.

Eine zentrale Erkenntnis ist die Notwendigkeit, Netzwerkmanagerinnen und -manager professionell zu schulen und zu begleiten. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf das Verständnis der besonderen Strukturen von KMU-Netzwerken und auf das Management von Misstrauen zu legen.

 

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